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24.11.2011 - Die Glocke / Hendrik Heft Übersicht | Drucken

Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis

CDU im Forum

Konjunkturpakete, Abwrackprämie und Kurzarbeit – die Liste der möglichen Vorkehrungen zur wirtschaftlichen Stabilisierung in Krisenzeiten ist lang. So unterschiedlich in der Durchführung, so einheitlich ist dabei das Ziel: Die Aufrechterhaltung, wenn nicht gar Steigerung des Wirtschaftswachstums.



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Die Glocke / Hendrik Heft -

Der Wohlstand einer Volkswirtschaft, suggerieren Politik und Gesellschaft, hängt von ihrer Wertschöpfung ab. Doch wo liegen die Grenzen dieses Wachstums? Ist eine Rezession wirklich so verheerend? Führt ein gut gefülltes Bankkonto zu einer hohen Lebensqualität? Prof. Dr. Meinhard Miegel, Wirtschaftswissenschaftler und Publizist, las dazu im Rahmen der Reihe „CDU im Forum“ aus seiner neuesten Veröffentlichung „Exit – Wohlstand ohne Wachstum“.

Im voll besetzten Luise-Hensel-Saal des Stadthauses Wiedenbrück verfolgten am Dienstagabend etwa 100 Zuhörer gebannt seine Ausführungen. „Nie waren die industrialisierten Länder materiell besser gestellt als heute. Noch vor 50 Jahren erreichte unsere Wirtschaft gerade 20 Prozent der heutigen Produktivität“, hielt der in Wien geborene Autor vor.

Solch ein beispielloser Aufschwung hat Folgen: „Im gleichen Maße, in dem die westlichen Gesellschaften Reichtum anhäufen, erhöht sich die Zahl derer, die in Armut leben.“

In Zeiten von Ressourcenknappheit und Klimawandel rückt Prof. Dr. Miegel den Aspekt der Nachhaltigkeit in den Vordergrund. Einerseits meint er damit Umweltschutz und Rücksichtnahme auf Flora und Fauna. Andererseits weist er auf die Notwendigkeit des Umdenkens hin. Die Menschen müssten nicht globale Zusammenhänge erforschen, um den schädlichen Einfluss der Gier nach Profit zu erfahren. „Wachstum wird des Prinzips wegen verfolgt. Teure Autos, Fernseher oder modische Kleidung definieren unsere soziale Stellung. Familie, Freunde und individueller Freiraum kommen oft viel zu kurz“, lautet die Bestandsaufnahme des Experten.

Zwar seien Wachstum und Entwicklung notwendig, doch sicherlich nicht um jeden Preis.

Wohlstand neu definieren

 „Wir müssen Wohlstand neu definieren“, appellierte Prof. Dr. Miegel. Er ging sogar so weit zu sagen, dass „Wachstum die Religion unserer Zeit geworden ist“. Eltern, Lehrer und Politik geben demnach schon der Jugend vor, dass ein erfülltes Leben stets mit gut bezahlter Arbeit oder Statussymbolen zusammenhängt.

Mit materiellem Reichtum gehe zudem eine Beschränkung des Horizonts einher, denn wer viel besitze, könne sich längst nicht um alles kümmern. „Das Geheimnis des wirklichen Wohlstands ist es nicht, viel zu haben, sondern wenig zu benötigen“, lautete der Rat des Autors.

Den demografischen Wandel begreift er eher als Chance denn als Last. „Wir haben mehr Zeit denn je, um ein erfülltes Leben zu leben. Die Frage, wann eine Gesellschaft überaltert ist, ist zudem völlig subjektiv.“

Zur Lösung der Frage, wie Wohlstand ohne Wachstum gelingen könne – um auf den Titel seines Buches zurückzukommen –, liefert Prof. Dr. Miegel zwei elementare Ansätze. Zunächst verweist er auf technische Innovationen. „Autos, Flugzeuge und Züge haben sich vom Grundprinzip in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. In Anbetracht der Rohstoffknappheit sind Alternativen gefragt.“

Zweiter Ansatz ist die Bildung, denn „Innovationen sind ohne unternehmerischen Nachwuchs nicht möglich“. Noch sei es nicht zu spät für einen Wertewandel. Doch auch Zeit sei eine nicht unbegrenzt vorhandene Ressource. 

Hendrik Heft


Bildunterschrift:
Interessante Ansätze stecken in dem Buch „Wohlstand ohne Wachstum“, das Autor Prof. Dr. Meinhard Miegel (sitzend) in der Reihe „CDU im Forum“ vorstellte. Doris Stracke von der Buchhandlung „Lesart“ aus Rheda, Geschäftsführerin der CDU im Stadtrat Monika Schick und Fraktionsvorsitzender Uwe Henkenjohann (stehend, v. l.) begrüßten ihn dazu im Luise-Hensel-Saal.


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