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13.11.2010 - Die Glocke, NIMO GRUJIC Übersicht | Drucken

Rainer Dollase kämpft gegen Bildungsdünkel

"CDU im Forum "

Neun Jahre hat die Veranstaltungsreihe "CDU im Forum" geruht, zur Neuauflage am Donnerstagabend hatten immerhin 70 Zuhörer den Weg ins Reethus gefunden. Das, was Gastredner Prof. Dr. Dollase von der Uni Bielefeld in Sachen Bildungspolitik zu sagen hatte, war Wasser auf die Mühlen der Christdemokraten. Doch auch so mancher Lehrer fühlte sich bestätigt. 

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{v. 1.) Prof. Dr. Rainer Dollase, Ratsherr Michael Pfläging, Fraktionsgeschäftsführerin Monika Schick, Fraktionsvorsitzender Uwe Henkenjohann, Bürgermeister Theo Mettenborg und Ratsherr Heinz-Georg Großerohde.
Die Glocke, NIMO GRUJIC -

"Der Vortrag war Balsam für meine Lehrerseele", bekannte eine Pädagogin nach dem einstündigen Vortrag, in dem Dollase im Galopp die Vorzüge des gegliederten Schulsystems und die Nachteile der Einheitsschule beleuchtete. "Längeres gemeinsames Lernen" sei das Hauptziel, das die Anhänger der Gemeinschaftsschule verfolgen. Doch der Begriff sei nichts als eine Phrase, mit der ein Mehr an Bildung vorgegaukelt werde. "Jemanden, der sauschlecht ist, zusammen mit den Allerbesten in einer Klasse zu unterrichten - das kann nicht funktionieren", unterstrich Dollase. "Denn das würde die Uberflieger unterfordern und die Leistungsschwachen zusätzlich demoralisieren."

 

Der Bildungsexperte aus Bielefeld pochte auf die Beibehaltung des gegliederten Schulsystems. Denn das spiegele die Unterschiede der bildungsbürgerlichen Ideale am besten wieder: "Nicht jeder will einen Doktortitel machen", betonte Rainer Dollase. Und das sei auch gut so. "Denn wir brauchen auch Handwerker, Hilfsarbeiter und andere praktisch veranlagte Menschen. Irgendwer muss die Arbeit ja schließlich machen."

 

Als "Kollateralschaden der Bildungshysterie" bezeichnete Dollase denn auch die unter Eltern weit verbreitete Meinung, dass das Leben ohne Abitur in der Tasche von vornherein verpfuscht sei. "Ich bin strikt gegen solche Bildungsdünkel."

 

Die Dreigliedrigkeit mit Haupt-, Realschulen und Gymnasien habe sich bewährt." Die Abiturienten-Quote hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verachtfacht" , sagte Dollase. Und bei der ersten Pisa-Studie im Jahr 2000 habe ausgerechnet Peru, das bereits die Einheitsschule hat und selbst von Kindergärtnerinnen einen Fachhochschulabschluss verlangt, den letzten Platz belegt.

 

"Wir müssen uns von der weit verbreiteten Förderillusion verabschieden, dass man aus jedem Menschen alles machen kann", forderte Rainer Dollase. "Viele Jugendliche wollen lieber arbeiten anstatt zu lernen." 

 

Klares Bekenntnis zur Dreigliedrigkeit 

 

Prof. Dr. Rainer Dollase, selbst seit 40 Jahren in der Lehrerausbildung tätig, ist gegen unausgegorene Reformen. "Unsere Kinder sollen nicht zu Versuchskaninchen werden." Die Verwirrung um die Ausrichtung des Schulsystems habe durchaus Methode. "Irgendwann sagen die Politiker zu uns: ,Jetzt reicht's aber, jetzt machen wir die Einheitsschule. '"

 

Dabei ermögliche das dreigliedrige System schulische Erfolge gerade auch auf niedrigerem Leistungsniveau. Und Problemschulen, auf die niemand gehen will, werde es auch im Einheitssystem geben. Ohnehin sei der Eindruck falsch, dass heutzutage nur Hauptschulen Brennpunkte seien. Zudem wies Dollase auf die ungeklärte Frage hin, was bei einer flächendeckend eingeführten Gemeinschaftsschule mit den Schulversagern geschieht. Eindringlich warnte er vor der Zerschlagung der Gymnasien. Es sei falsch, dem Elternwillen in Sachen Bildungspolitik vorschnell nachzugeben. "Denn die Meinung der Eltern ist hochgradig labil." 

 

Zitiert


Ich kenne mindestens einen ehemaligen Hauptschüler, der Bürgermeister geworden ist.

Bürgermeister geworden Bürgermeister Theo Mettenborg, der als Jugendlicher die Matthias-Claudius-Schule besucht hat und später aufs Einstein-Gymnasium wechselte, über die Durchlässigkeit des dreigliedrigen Schulsystems. 

 

Hintergrund 

 

Den Standpunkt der Rheda-Wiedenbrücker CDU-Fraktion zur Schulentwicklung erläuterte deren bildungspolitischer Sprecher, Ratsherr Michael Pfläging. Dass es in jüngster Zeit Kinder und Jugendliche aus der Doppelstadt verstärkt auf eine Gesamtschule in Gütersloh zieht, liege nicht unbedingt am Einheitsschulsystem, sondern an der speziellen pädagogischen Ausrichtung der betreffenden Schule.

 

Daher sei fraglich, ob eine Gemeinschaftsschule in Rheda-Wiedenbrück alle Gütersloh-Pendler erreiche. Pfläging wies darauf hin, dass eine Gesamtschule zur Folge hätte, dass es künftig drei Einrichtungen mit gymnasialer Oberstufe geben würde. Und das sei, mit Blick auf den demografischen Wandel und die in absehbarer Zeit sinkenden Schülerzahlen, zu viel. Auch das Gedankenspiel, eines der beiden Gymnasien in eine Gesamtschule umzuwandeln, funktioniere nicht. "Dann hätten wir aller Voraussicht nach gleich hohe Schülerwanderungen zu den umliegenden Gymnasien wie jetzt zu den Gesamtschulen", vermutet Michael Pfläging. "Das Ergebnis wären viel Verwirrung und ein Nullsummenspiel."

 

Bürgermeister Theo Mettenborg betonte, dass Rheda-Wiedenbrück mit sechs weiterführenden Schulen hervorragend aufgestellt sei. Deswegen sei keine Eile bei zukunftsgerichteten Entscheidungen erforderlich.

 

 

 

 

Stichwort 

 

Einheitsschule: Die deutsche Einheitsschule geht auf Bestrebungen des Allgemeinen Deutschen Lehrervereins zurück, der schon in der Revolution von 1848/49 wichtige Grundzüge eines künftigen Schulwesens entwickelte. In diesem Sinn versteht man unter der Einheitsschule den Schulaufbau von Kindergarten bis zur Universität für alle Kinder. Damit steht die Einheitsschule dem dreigliedrigen Schulsystem in Deutschland gegenüber. Quelle: Wikipedia


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